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Schmerzversorgung

Schmerzbehandlung, auch in Nach-Corona-Zeiten, extrem verbesserungsfähig

Die Deutsche Schmerzgesellschaft e.V., eine Organisation, die 1975 anlässlich des ersten weltweiten Schmerzkongresses gegründet wurde und mittlerweile 3.500 Mitglieder fasst, kritisiert die Versorgung von Schmerzpatienten in der Corona-Krise. Aber auch schon in Vor-Corona-Zeiten waren Schmerzpatienten oft Leidtragende unseres Gesundheitssystems. Die Deutsche Schmerzgesellschaft plädiert für eine qualitativ hochwertige Versorgung mit kurzen Wartezeiten auf eine Schmerzbehandlung und für eine kontinuierliche Versorgung von Betroffenen mit adäquaten Hilfestellungen, auch durch spezialisierte Pflegefachkräfte, die sich im Umgang mit Schmerzpatienten im Hinblick auf medikamentöse und manuelle Behandlungsmethoden auskennen. Gerade aber in der Covid-19-Krise hat sich die Lage als besonders prekär dargestellt.

Notwendige Schmerztherapien wurden abgesagt, Rehazentren geschlossen und Selbsthilfegruppen durften auch nicht von Schmerzpatienten besucht werden. Die Deutsche Schmerzgesellschaft fordert daher mit Recht Ausnahmen der Corona-Regelung, damit 22 Millionen Deutsche, darunter sechs Millionen, deren Alltag eingeschränkt ist, und 2,2 Millionen, die sehr stark mit physischen und auch psychischen Beeinträchtigungen leben, von wiederhochgefahrenen Schmerzbehandlungen profitieren können.

Vor dem Hintergrund der diesjährigen Ausnahmesituation kommt dem bundesweiten "Aktionstag gegen den Schmerz", der am 2. Juni 2020 stattfand, besondere Bedeutung zu. 150 Kliniken und Praxen sind und waren in den Aktionstag involviert. Alle Experten fordern einen "Schutzschirm für Schmerzpatienten" aufzuspannen, weil "Schmerzbehandlung Patientenrecht ist". Ein dringendes und schnellstmögliches Hochfahren der Versorgung ist nur ein Ziel, das Experten wie Claudia Schmidtke, Beauftragte der Bundesregierung, die die Deutsche Schmerzgesellschaft unterstützt, fordert.

Der Aktionstag sollte in diesem Jahr nicht dem Informations- und Meinungsaustausch dienen, sondern auch Betroffenen Mut machen, sich medizinische und psychologische Hilfe zu holen, weil viele aus Angst vor dem Virus selbst notwendige Therapien abgesagt haben. Des Weiteren fordern Vertreter der am Aktionstag beteiligten Praxen und Kliniken, den Videokonferenz-Ausbau für Schmerzpatienten, der sich zu Krisenzeiten besonders etabliert hat. Andere Pflege-Experten sind für die Akademisierung spezieller Pflegeberufe sowie für den Abbau von Sektorengrenzen zwischen ambulantem und stationärem Bereich, damit ein verbesserter interdisziplinärer Informationsaustausch von Fachleuten und Betroffenen im Hinblick auf die Schmerzprävention und -therapie möglich ist.

Quelle: www.zeit.de